US-Therapeuten nähern sich der Polyamorie an (8. August 2013)

Polyamorie lebende Menschen finden sich nicht nur allgemein in westlichen Gesellschaften oft abgelehnt. Es ist für Sie auch schwierig, wenn sie psychotherapeutische Hilfe suchen. Selbst wenn ihr psychisches Problem nichts mit ihrer Beziehung zu tun hat, können Sie fast 100% sicher sein, dass ihr Therapeut/in diese Art der Beziehung skeptisch oder rundheraus negativ beurteilt. Das ist nicht verwunderlich, denn auch Therapeuten sind von unserer offiziell monogamen Gesellschaftsidee geprägt, ebenso wie die wissenschaftlichen Modelle, nach denen sie Menschen beurteilen.

Therapeuten und Ihre Vorurteile gegen Polyamorie

Üblich, ich beziehe mich auf eigene Erfahrungen und Berichte aus Diskussionsforen, sind Beurteilungen, dass man Angst vor einer festen Bindung habe oder sexsüchtig sei.

Ersteres stimmt vielleicht für manche, ist aber für die Mehrzahl der Polyamoren kaum haltbar. Soziologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Beziehungen polyamor lebender Menschen durchschnittlich länger halten, als monogame Ehen. Die Ehe meiner Poly-Partnerin mit Ihrem Mann hält schon über zwanzig Jahre, und unsere Beziehung dauert beinahe schon zehn Jahre. Der Scientific American empfahl letztlich sogar polyamore Verhaltensmuster als Vorbild für monogame Beziehungen.

Sexsucht ist wissenschaftlich nie anerkannt worden. Sie gehört eher in das Reich pseudo-moralisch inspirierter Legenden, und ist außerdem ein bequemer Weg, sich der Verantwortung für das eigene Sexualleben zu entziehen, wie US-Prominente mit ihren peinlichen Bekenntnissen und anschließenden Sextherapien immer wieder vormachen.

Es geht auch anders – US-Therapeuten machen es vor

In dem Artikel „How Is Nonmonogamy Changing Relationships?“ von Jo Sahlin vom 8. August 2013 versammelt goodtherapy.org Stellungnahmen von einem Dutzend Psychotherapeuten.

Die Therapeuten erkennen mehrheitlich an, dass offen gelebte polyamore Beziehungen heute eine Realität sind. Für viele Menschen seien sie ein besserer, weil ehrlicherer Weg, als die übliche serielle Monogamie. Die vielfältigen Herausforderungen werden in knapper Weise angesprochen. Vor allem aber wird anerkannt, dass Therapeuten sich auf diese neue Realität einstellen müssen, und ihre gesellschaftlich geprägten Vorstellungen nicht in die Therapie einbringen dürfen.

Also, es geht doch. Deutsche Therapeuten, bitte als Anregung nehmen, eure persönlichen Vorstellungen und wissenschaftlichen Modelle zu überdenken.

 

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Über Viktor Leberecht 381 Artikel
Viktor Leberecht ist mein Pseudonym für meine Arbeit als freier Autor. Ich bin studierter Historiker (M.A.), sowie ausgebildeter und berufserfahrener Journalist. Ich lebe seit 2003 in einer polyamoren Beziehung mit einer verheirateten Frau. Ich schreibe über Polyamorie, um zu informieren, Vorurteile zu entkräften und für gesellschaftliche Akzeptanz der Polyamorie zu werben. Ich setze mich für Mehrfachbeziehungen im Rahmen der Menschenrechte ein, also natürlich gleiches Recht für alle.

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