Sind Polyamorie und Polygamie gleichzusetzen mit Inzest? (Juni 2011)

Die Diskussion um neue Formen sexuellen und familiären Lebens, die sich bisher vor allem um Homosexualität dreht, wird irgendwann auch Polyamorie und Polygamie einbeziehen müssen. Die Themen sind emotional hoch aufgeladen, und in einer Gesellschaft wie Deutschland, in der Menschen mit einer Vielzahl kultureller und religiöser Hintergründe zusammenleben, wirft der Umgang damit zwangsweise Probleme auf.

Einen Kommentar, ob, und falls ja, wie damit im Schulunterricht umgegangen werden soll, hat Malte Lehming unter dem Titel: Was ist sexuelle Vielfalt im Tagesspiegel vom 28.06.2011 geschrieben.

Kommentare polarisieren, natürlich, aber sie müssen auch akkurat sein. Der meiner Meinung nach in dieser Hinsicht problematische Abschnitt lautet (Beginn Zitat): „Was aber ist „sexuelle Vielfalt“? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Bei Hetero, Homo, Bi und Transgender ist die Sache relativ einfach. Und bei Polyamorie, Polygamie und Inzest? Wer der Ansicht ist, dass alle Formen von Sexualität, die erwachsene Menschen freiwillig miteinander praktizieren, zur tolerablen sexuellen Vielfalt gehören, muss diese drei Formen mit einbeziehen.“ (Ende Zitat)

Ich stimme Herrn Lehming zu, dass Polyamorie und Polygamie Formen der Sexualität sind, die erwachsene Menschen freiwillig miteinander praktizieren. Um es genauer zu sagen: nur in dieser Form sollte Polygamie – also eine ehelich legitimierte Form der Mehrfachbeziehung – akzeptiert werden: erwachsene Menschen, die freiwillig und wissentlich eine solche Ehe eingehen. Polyamorie hingegen kann durchaus auch unter Jugendlichen akzeptiert werden. Die per Gesetz geregelten Verbote von Sex mit Minderjährigen müssen natürlich eingehalten werden.

Ich  halte es aber für problematisch, Inzest hier im selben Satz zu nennen und schlichtweg als Form der Sexualität zu definieren, bei der erwachsene Menschen freiwillig Sex miteinander haben. Das ist eine unzulässige Verkürzung des komplexen Themas Inzest.

Weitaus sachgerechter nimmt sich des Themas Inzest der Eintrag zu Inzest in der Wikipedia an. Und nachdenklich, wenn auch definitiv kontrovers, der Artikel „Das Inzest-Tabu ist überflüssig“ in der ZEIT von Parvin Sadigh vom 12.04.2012.

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Über Viktor Leberecht 310 Artikel
Viktor Leberecht ist mein Pseudonym für meine Arbeit als freier Autor. Ich bin studierter Historiker (M.A.), sowie ausgebildeter und berufserfahrener Journalist. Ich lebe seit 2003 in einer polyamoren Beziehung mit einer verheirateten Frau. Ich schreibe über Polyamorie, um zu informieren, Vorurteile zu entkräften und für gesellschaftliche Akzeptanz der Polyamorie zu werben. Ich setze mich für Mehrfachbeziehungen im Rahmen der Menschenrechte ein, also natürlich gleiches Recht für alle.

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