Masterarbeit zu Polyamorie aus kapitalismuskritischer Perspektive

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Eine in der Entstehung befindliche Masterarbeit zu Polyamorie aus kapitalismuskritischer Perspektive wurde kürzlich auf dem Soziologieblog vorgestellt. Jede wissenschaftliche Befassung mit Polyamorie ist ein Fortschritt für die Akzeptanz von Polyamorie, denn sie zeigt, dass Polymaorie von den Wissenschaften ernst genommen wird.

Masterarbeit zu Polyamorie aus kapitalismuskritischer Perspektive

Abstract zu Polyamorie als Symptom oder Lösungsstrategie kapitalistischer Konflikte und Kontingenzproblematiken postmoderner Liebesbeziehungen von Konstantin Nowotny

Es steht schlecht um die romantische Liebe in der westlichen Welt. Überall wo Kapitalismus und Industriegesellschaft auf Hochtouren laufen, wo die Großstädte wachsen und die Märkte florieren, werden die Ehen kürzer und häufiger geschieden, die Kinder seltener und selbst die vorehelichen Beziehung wechselhafter. Da, wo die Religion kaum noch eine Rolle spielt, sinkt die Geburtenrate seit Jahrzehnten unter das Repro- duktionslevel, sowohl in Europa als auch in den USA.

Das ist kein rein strukturelles Phänomen. Auch auf der Mikroebene, so scheint es, fällt es den Akteuren zu – nehmend schwerer, einen Partner fürs Leben zu finden, sich den Kinderwunsch zu erfüllen oder – und das ist im größeren Maße der Fall – das Konzept des lebenslangen Partners oder des Kindes überhaupt beizubehal- ten. Hartmut Rosa schreibt: »Der Lebensabschnittspartner ersetzt heute tendenziell den Lebenspartner.« Das war 2009. Seitdem ist neben dem Trend zum Liebespaar auf Zeit noch ein weiterer (wieder) in den Vordergrund gerückt: die Polyamorie. Einst als Flausen im Kopf der 68er-Bewegung verurteilt, feiert sie nun ein Comeback. Nicht nur Lifestyle-Magazine wie Neon, auch die Feuilletons der großen deutschen Tageszeitungen beschäftigen sich mit der Liebe, die mehr als einen Partner kennt, im zunehmenden Maße. Selbst in zeitgenössischen Serien und Filmen sieht man, so scheint es, immer häufiger Paare in offenen oder polyamorösen Beziehungen, von House of Cards bis GZSZ.

Die Liebe und der Kapitalismus. Schon vor Jahren beschäftigte sich die amerikanisch-israelische Soziologin Eva Illouz mit diesem Thema, zunächst in ihrem Buch Der Konsum der Romantik, später systematischer in Warum Liebe weh tut. Darin macht sie einige bemerkenswerte Beobachtungen: Die Romantik ist ein durch und durch kapitalisiertes Konzept geworden. Kaum ein romantisches Ding, dass nicht auch als Produkt existiert. Gleichzeitig verfahren Menschen miteinander auch zunehmend in einer Art Ökonomie der Gefühle: Warum noch in einer Beziehung bleiben, wenn sie sich nicht mehr lohnt? Wo kann man sein Vertrauen mit der größtmöglichen Rendite investieren? Dating-Plattformen wie Tinder treiben diese Wahrnehmung auf die Spitze. Der potentielle (Sex)Partner ist nur einen Wisch mit dem Zeigefinger entfernt. Er kann konsumiert werden und verschwindet danach, je nach Laune, für immer.

Die in der Bearbeitung befindliche Masterarbeit beschäftigt sich mit dem Thema Polyamorie auf Grundlage einer kapitalistischen Gesellschaftsanalyse. Ausgehend von einem gesellschaftlichen Makrophänomen soll mit unterschiedlichen Konzepten in die Mikroebene eingetaucht werden. Ist Polyamorie ein Symptom einer durchrationalisierten Liebeswelt, oder ist die Monogamie tatsächlich nur ein Residuum der bürgerlichen Tauschgesellschaft, wie Friedrich Engels es einst meinte? Zusätzlich zu Auswertungen von Zeitungen und Zeitschriften werden für die Masterarbeit auch Interviews geführt. Die Teilnehmer müssen dabei nicht selbst polyamoröse Erfahrungen gemacht haben. Präsentiert werden können am Ende nicht nur Zahlen und Fakten zu Formen und Verbreitung von Polyamorie in Deutschland und den USA, sondern auch (anonymisierte) Interviewaussagen und Metaanalysen von Zeitungsartikeln sowie deren theoretische Interpretation – von der Frankfurter Schule bis Rational Choice. Es geht um das schwierige Unterfangen, eine Wertewelt abzubilden und die Logik hinter dem Nutzen von Liebe überhaupt zu ergründen. In einer Welt, in der scheinbar jederzeit alles möglich ist – ist da noch Platz für den einen?

Polyamorie und Wissenschaft

Sie finden in der Artikelserie Polyamorie und Wissenschaft auf Polyamorie Magazin alle Artikel, in denen es um die wissenschaftliche Erkenntnisse über Polyamorie geht.

Weitere Artikelserien über Polyamorie

Diese Artikelserie ist ein Teil der Artikelserien über Polyamorie, wo Sie alle Artikel zu diesem Thema finden. Sie sind unterteilt in diverse Unterbereiche, wo es darum geht, wie Menschen Polyamorie leben, sowie weitere Themen, beispielsweise:

Sie finden hier Artikel, die ich in aller Welt gefunden habe, zumeist in deutscher und noch öfter in englischer Sprache, dann habe ich meist eine Zusammenfassung geschrieben.

Allgemeine Informationen über Polyamorie

Sie finden allgemeine Informationen auf der Seite Was ist Polyamorie?, was Polyamorie ist, wie Polyamorie funktioniert, wo Sie andere Polyamorie lebende Menschen treffen können, sowie weitere Themen in diversen Unterbereichen, beispielsweise:

Kompetente Polyamorie Beratung von Viktor Leberecht

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Über Viktor Leberecht 381 Artikel
Viktor Leberecht ist mein Pseudonym für meine Arbeit als freier Autor. Ich bin studierter Historiker (M.A.), sowie ausgebildeter und berufserfahrener Journalist. Ich lebe seit 2003 in einer polyamoren Beziehung mit einer verheirateten Frau. Ich schreibe über Polyamorie, um zu informieren, Vorurteile zu entkräften und für gesellschaftliche Akzeptanz der Polyamorie zu werben. Ich setze mich für Mehrfachbeziehungen im Rahmen der Menschenrechte ein, also natürlich gleiches Recht für alle.

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